Kapitel 1

Es war Freitagabend. Es wurde langsam dunkel und die Straßenlaternen gingen an. Sie flackerten leicht auf und die Leute aus unserer Straße zogen ihre Gardinen vor die Fenster. Mein Vater legte sich vor den Fernseher auf die Couch und meine Mutter rannte verzweifelt durchs Haus, damit sie auch noch alles sauber bekommen würde. Dann fing alles wieder von vorne an, genauso wie die letzten Tage auch. Meine Mutter schrie meinen Vater an und er sie. Sie beschimpften sich übelst und es war fast nicht mehr auszuhalten. Als ich Tränen in die Augen bekam, aus Angst, sie würden sich trennen, zog ich meine Chucks und meine Jacke an und ging raus. Mir war egal wo hin ich ging, hauptsache ich kam raus aus diesem Haus und musste nie wieder nach dort zurück. Ich kam in eine kleine Gasse, die zwar nah an meinem Zuhause war, aber hier war ich noch nie gewesen. Es roch nach Räucherstäbchen und anderen kerzenartigen Sachen. Plötzlich hörte ich ein Fussscharren hinter mir auf dem Asphalt. Ich dachte mir nichts weiter dabei, außer das es ein paar Menschen waren, die - genau wie ich - hier rumlungerten und nicht wussten wohin. Doch als ich abbog und diese Geräusche nicht weggingen fühlte ich mich verfolgt und ging schneller. Auch die Schritte wurde schneller. Also wurde ich wirklich verfolgt. Ich dachte mir nichts dabei, und da ich manchmal sowieso etwas merkwürdig war, blieb ich einfach stehen und machte Geräusche, als wenn ich immer noch gehen würde. Und da geschah es: Ein Junge rempelte in mich rein und musste lachen, als er zurück flog. Er flog in andere Jungs rein, die fragten, was los sei. Dann leuchtete einer mit seiner Taschenlampe auf und flüsterte: "Scheiße, warum konnten wir nicht die Taschenlampe anbehalten?" "Sonst hätte uns hier jeder erkannt, schon vergessen?" Ich erkannte nicht wer es war, da sie mir das Licht direkt ins Gesicht blendeten. "Wer seid ihr?", fragte ich. "Kannst du uns denn nicht sehen?" "Wie denn, wenn ihr mir das Licht genau in die Augen leuchtet?" Ein Junge von ihnen zog mich am Arm unter das Licht einer Straßenlaterne, die zig Meter von uns entfernt war. Ich war erstaunt. Tatsächlich stand Tokio Hotel vor mir. Ich war mir nicht sicher, ob ich glauben sollte, was ich sah, aber dann tat ich es doch. Sie musterten mich. Als sie die Tränen in meinen Augen entdeckten fragte Gustav, der auch in mich rein gerempelt war: "Alles in Ordnung?" Ich nickte, schluchzte noch einmal auf und wischte mir die Tränen aus den Augen.